Wie das Home-Office deiner beruflichen Karriere schaden könnte

 

Durch das schnelle Reagieren vieler Unternehmen in der Covid-Pandemie wurden so viele Mitarbeiter, wie niemals zuvor, mit Home-Office ins kalte Wasser gestoßen. Nach einer Erhebung des ifo-Instituts im 2. Quartal 2020 mit ca. 800 Personalleitern haben über 60 Prozent der Mitarbeiter im Home-Office gearbeitet bzw. die Möglichkeit erhalten, dies zu tun. 

Auch wenn das Ausprobieren von Heimarbeit ein Wunsch vieler Mitarbeiter war, heißt das ja nicht, das auch wirklich zu wollen, geschweige denn zu können.

Quelle: Statista

 

Schadet Home-Office dem beruflichen Aufstieg?

Fast jeder zweite Beschäftigte in Deutschland (48 Prozent) gibt an, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben in den vergangenen fünf Jahren im eigenen Alltag schwieriger geworden ist (EY Jobstudie 2019). Und sicher ist, dass diese Tatsache einer der Gründe ist, warum das Arbeiten von zu Hause aus beliebter wird. Es bietet die Möglichkeit, Familie und Beruf besser unter einen Hut zu bekommen. Das ist allerdings nur eine Seite der Medaille. 

 

Ist Home-Office ein Karrierekiller? 

Bevor wir hier zu einer Antwort kommen, lasst uns doch mal die Stufen von Karriereleitern hinterfragen. Was gehört alles zum Aufstieg dazu:

  • Wie wichtig ist das Vitamin B, das Vitamin für Beziehungen?
  • Wie läuft eine Beförderung in kleinen oder mittelständischen Unternehmen wirklich ab?
  • Welche Faktoren tragen in deinem Unternehmen zum beruflichen Aufstieg bei?
  • Wie findet die Leistungsbewertung der Kompetenzen für einen nächsten Karriereschritt statt?
  • Wie früh bekommen denn Mitarbeiter mit, ob eine neue Stelle, Abteilung o.ä. vakant wird?

 

Klar, in großen Unternehmen wird vordergründig viel Wert auf Personal- und Talententwicklung gelegt. Aber auch dafür braucht es Fürsprecher, damit du in solchen Förderprogrammen, in den internen Talentschmieden berücksichtigt wirst.

Die Präsenz im Job ist der Schmierstoff für die Karriere! 

Oder anders formuliert:

Wenn du auf dem Radar der wichtigsten Entscheider, Unterstützer deines Unternehmens nicht präsent bis, findest du nicht statt. Du wirst vergessen, bleibst unberücksichtigt und gerätst ins Hintertreffen.

In den meisten Unternehmen ist die Präsenzkultur fest verankert und ein wichtiger Erfolgsbaustein. Sicher gibt es viele weitere Gründe, die bei einer Karriereentscheidung eine Rolle spielen. Doch dieser ist, auch nach meiner langjährigen Home-Office-Erfahrung als Führungskraft, der wahre Grund.

Du musst für einen Karriereschritt da sein, wo die Musik spielt und das ist die persönliche Präsenz im Unternehmen. Virtuelle Präsenz und fleißiges Abarbeiten von Projektaufgaben reichen im Home-Office oft nicht aus.

Und präsent sein, meint einerseits die physische Präsenz, aber auch im informellen Rahmen. Das informelle Gespräch, direkt ansprechbar sein, “eine Tür weiter gehen”, das spontane Brainstorming, die Blitzidee, die du einfach unter die Leute bringst. Das sind Elemente, die teils bewusst, doch in vielen Bereichen unterschwellig wirken und deine Präsenz unterstreichen. 

Streng genommen, können wir auch “virtuelle Präsenz” ausstrahlen. Doch dieser müssen sich andere stärker bewusst werden. Viele Unternehmen machen sich ja erst gerade auf den Weg, mehr über Online-Kanäle zu kommunizieren und sind mit den neuen Tools weniger vertraut und können noch nicht so routiniert damit umgehen.

 

Nicht jedes Unternehmen will Home-Office

Und es will auch nicht jedes Unternehmen, Home-Office als überwiegende Arbeitsform etablieren. Der Adidas-Chef Rorsted erwartet auch in der Covid-Zeit eine bestimmte Anwesenheit seiner Mitarbeiter im Office. Einige führende Mitarbeiter sind sogar täglich im Büro. Rorsted hält nicht viel vom ständigen Arbeiten von zu Hause aus und begründet dies damit, dass Arbeiten bei Adidas eine soziale Sache und Teamsport seien.

Adidas ermöglichte zwar schon vor der Pandemie flexibles Arbeiten. So konnten bestimmte Teile der Belegschaft an einem Tag in der Woche durchaus von zu Hause aus arbeiten, das stand ihnen frei. Aber es gibt keine generelle Home-Office-Möglichkeit.

IBM schaffte als IT-Unternehmen bereits 2017 Home-Office für ihre über 1000 Mitarbeiter ab, mit der Begründung, dass sie in Gesellschaft produktiver arbeiten würden. In 2020 arbeiten auch bei IBM viele Mitarbeiter von zu Hause aus und IBM setzt nun auf hybrides Arbeiten, die Skepsis bleibt allerdings.

 

Home-Office ist nicht für jeden etwas

So ehrlich sollten wir aber auch sein. Die jüngsten und oft ehrlichen Feedbacks von Mitarbeitern, die teils auch ungewollt von zu Hause aus arbeiten, zeigen sehr deutlich:

Das private Umfeld ist oftmals überhaupt nicht für ungestörtes Arbeiten ausgelegt. 

Und das ist völlig ok. Es ist aber auch nicht jeder Mensch für das Home-Office der geeignete Typ. Es gibt einfach Menschen, die brauchen ein berufliches Umfeld, sie brauchen Impulse von außen oder einfach das kollegiale Miteinander, um sich richtig zu entfalten und produktiv zu sein. In einem früheren Blogbeitrag „Warum viele Mitarbeiter im Home-Office verblöden“, bin ich auf die Hintergründe detailierter eingegangen.

Andere Menschen kommen wiederum gut mit den Rahmenbedingungen außerhalb des Büros zurecht.

Was kannst du tun?

Bleibe in Verbindung: Sei da, sei anwesend! Sei mindestens 60% deiner Zeit im Office oder in der Nähe von wichtigen Entscheidern, wenn du einen Karriereschritt planst. Nicht umsonst zeigen Blitzumfragen auch, dass von den meisten Beschäftigten eine hybride Form des Arbeitens favorisiert wird. Also ein Mix zwischen Präsenzpflicht im Unternehmen und Home-Office.

Fange Stimmungen auf: Die meisten zwischenmenschlichen Themen finden unausgesprochen statt. Es hilft, diese mitzubekommen. Und diese unausgesprochene Stimmungslage im Office ist häufig auch ein starker Indikator, wo in den wichtigsten Themen der Schuh drückt. Deswegen ist der Treffpunkt und Austausch in der Nähe der Kaffeemaschine oder auch in der Raucherecke immer noch so beliebt – und auch wichtig.

Sei ansprechbar: Wenn du im Home-Office bist, sei in einem ähnlichen Zeitfenster ansprechbar, wie deine wichtigsten Ansprechpartner im Job. Wenn das nicht möglich sein sollte, vereinbare Zeitfenster, in denen sie gut erreichbar sind und du ein locker Meeting einrichten kannst.

Sei in Online-Meetings präsent: Setze dich positiv in Szene und überlege dir dabei, wie du in Online-Meetings wirkst. Ich empfehle dir, die nachfolgenden Tipps auf jeden Fall stärker einzubauen, um bei deinen Kollegen und Vorgesetzten eine positive Wirkung zu erzeugen:

 

  1. Schalte deine Kamera an: Kommuniziere wenn es möglich ist, immer über die Kamera. Bilder sind lebendig und hinterlassen eine größere Wirkung als nur das Gesagte
  2. Erzeuge positive Wirkung mit Licht in der Online-Übertragung: Wenn dein Gesicht nicht ausgeleuchtet ist oder deine Webcam dich nicht von unten, sondern aus der Horizontalen aufnimmt, wirkst du viel professioneller.
  3. Sei aktiv kommunikativ: Gib während eines Online-Meetings ein Feedback, teile einen Impulsbeitrag! Wichtig ist, dass du dich nicht in den Konsumentenmodus zurück ziehst und passiv wirst. Dann verschwindest du sofort in der Wahrnehmung.

 

Fordere Termine ein: Bleibe in jedem Fall proaktiv und stimme gemeinsame Termine zum Austausch ab. Warte nicht, bis jemand auf dich zukommt, sondern informiere dich via Mail, Chat oder telefonisch über einen Sach- oder Projektstand bei den wichtigsten Ansprechpartnern.

Bleibe produktiv und zeige es: In einem Jour-fix gibt es die Gelegenheit mitzuteilen, was du bisher in einem Themenfeld unternommen hast und welche Schritte als Nächstes anstehen. Du kannst diese Schritte auch gut in kollaborativen Tools dokumentieren. Mehr Infos dazu findest du in diesem Blogartikel „Mehr Produktiviät bei virtuellen Teams“.

 

Hybrides Arbeiten auf dem Vormarsch

Die Zukunft der Arbeit ist hybrid! 

Das ist das Ergebnis einer Befragung zu “Arbeiten in der Corona-Pandemie” des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO. 71,2 Prozent der Befragten bestätigen, nach der Corona-Pandemie mehr Home-Office oder mobiles Arbeiten anzubieten als vor der Pandemie 2020. 

Gleichzeitig finden 57,9 Prozent der Führungskräfte, dass die Präsenzzeiten ihrer Mitarbeiter nach der Coronakrise immer noch wichtig sein werden. Es werden allerdings andere Instrumente zur Leistungsbeurteilung relevant.

Dieses Ergebnis zeigt deutlich, dass Karrieren eher im direkten Unternehmensumfeld bewusst oder unbewusst gefördert werden.

 

Fazit

Wenn du eine Karriere anstrebst, dann sei im Büro präsent. Zwar wird sich in Zukunft hybrides Arbeiten immer stärker in der modernen Arbeitswelt etablieren. Allerdings sollten Mitarbeiter genau hinsehen, wie Home-Office umgesetzt wird und welchen Stellenwert Home-Office oder mobiles Arbeiten einnimmt. Gerade vor dem Hinblick der eigenen Karriere bleibt ein frühzeitiger Blick auf betriebsinterne Karrieremechanismen relevant. 


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