Entscheidungsgrundlagen für ein E-Learning – Was braucht es?

Provokative These: Kein Mensch mag E-Learning,. Doch digitle Lernprodukte isind derzeit  erste Wahl vieler Unternehmen, wenn es um die Umsetzung der eigenen digitalen Lernstrategie geht. Sich für eine Lernplattform oder ein E-Learning zu entscheiden, will wohl überlegt sein. Was gilt es bei der Investition in ein E-Learning-Programm zu beachten? Wie digital ist das Unternehmen jetzt schon aufgestellt? Bekommt jeder die Möglichkeit, sich digital weiter zu bilden? Oder erhalten nur bestimmte Mitarbeitergruppen diese Option, und warum? Und welche Themen sollen auch weiterhin klassisch vermittelt werden? Was soll bleiben und was soll sich verändern und wie steht es um die eigene Lernkultur?

Zu Beginn gibt es viele Unsicherheiten und einen hohen Klärungsbedarf. Und diese Phase ist wirklich wichtig! Viele Fragen ermöglichen einen offenen Blick für Bedürfnisse, Sorgen und Bedarfe. Daher sollte diese Phase auch ihre berechtigte Zeit bekommen. Ihre Antworten dienen häufig der Abwägung einer Make-or-Buy-Entscheidung.

 

Make-or-Buy – Entscheidungen

In der Sondierungs- und Klärungsphase gibt es viele Fragezeichen. Die ersten vagen Grundgedanken sehen häufig so aus:

  • Wollen wir E-Learning-Inhalte selber erstellen oder von externen Anbietern einkaufen?
  • Was kostet uns die aktuelle interne Weiterbildung in der jetzigen Form?
  • Welche fix- und variablen Kosten fallen beim E-Learning an und sind zukünftig miteinzuplanen (Kosten für Support, Aktualisierung, IT-Infrastruktur, Personal etc.)
  • Welche digitalen Lernformen (fertiger Content, Videos etc.) sollen im E-Learning eingebunden bzw. grundsätzlich berücksichtigt werden?
  • Wie hoch ist der Anpassungsgrad den betrieblichen Erfordernissen bei Aktualisierungen

 

Der erste Impuls bei Personalentwicklern ist: „Ein E-Learning können wir selber aufsetzen. Wir brauchen nur die technischen Voraussetzungen, wie ein gutes Autorentool und die Plattform und dann schaffen wir das. Schließlich sind wir was Methodik und Didaktik angeht, Profis!“

Doch das ist nur eine Sichtweise. In der Praxis wird schnell klar, dass für eine so weitreichende Entscheidung noch ein paar Aspekte mehr mit einbezogen werden sollten.

 

 

Checkliste E-Learning:

Welche Kriterien sind für eine fundierte Entscheidung notwendig?

Planungsphase 1 – intern

Grundsätzliche Fragen vorab:

  • Planst du ein neues LMS anzuschaffen oder gibt es vielleicht bereits ein LMS, das optimiert werden soll? Beschreibe ganz allgemein, was aktuell schon gut läuft und was die Nutzer und dich in der Anwendung stört.
  • Wie nutzt deine Zielgruppe derzeit das digitale Angebot? (Skala 1-10)
  • Welche Lernangebote sollen derzeit und in Zukunft stärker genutzt werden? (allgem. oder fachspezifischer Bereich)
  • Welche Zielgruppe nutzt das Lernangebot, welche noch nicht und wer soll es in Zukunft nutzen?
  • Welcher Inhalt und Qualifikationsziele eignen sich in unserem Unternehmen für ein E-Learning-Format?
  • Wie würdest du das derzeitige Nutzerverhalten auf den Lernplattformen (E-Learning/LMS & Co.) beschreiben? Kannst du Kennzahlen erkennen, definieren?
  • Welche technischen und organisatorischen Anforderungen müssen ganz grundsätzlich für ein E-Learning-Projekt intern erfüllt werden? Ist das E-Learning über eine Mobile-App verfügbar und wo wird der Content, das Programm gehostet?
  • Gibt es für ein E-Learning-Projekt ausreichend interne Kompetenzen, auch aus Administrations- und Support-Sicht?
  • Die Content-Manager: Wer stellt die Lernangebote bereit, entwickelt sie weiter und wer könnte die Plattform betriebsintern organisieren und weiter entwickeln?
  • Sonstiges: Da fallen dir bestimmt spontan noch ein paar Punkte ein…. (dann unbedingt ergänzen)

 

Planungsphase 2 – extern

Fragen an E-Learning-Entwickler bzw. Vermarkter von Lernplattformen:

  • Welche Bedingungen erfüllt das System in Bezug auf Technik, Qualität und Funktionalität?
  • Mit welchem Budgetumfang kann der Anbieter die gewünschten Leistungen erfüllen und welche weiteren Investitionskosten bzw. laufende Kosten würden anfallen?
  • Wie starr sind die Formatvorlagen (Templates) innerhalb des Systems? Können Lernpfade individualisiert werden oder hohe Standardisierung?
  • Welche Rolle spielt Copywriting & individueller Content für den Erfolg beim Nutzer?
  • Kosten von fertigen Standardinhalten versus maßgeschneiderten Inhalten?
  • In welchen Zeiträumen können sich die Investitionen rechnen?
  • Wieviel Zeit braucht eine qualitativ gute Abwicklung eines Lernprojekts?
  • Wie moderat sind die Supportleistungen seitens des Anbieters?
  • Welche technischen Schnittstellen stehen grundsätzlich zur Verfügung?
  • Erfragt der Anbieter die in Phase 1 formulierten Fragen bei?

 

Achtung: Die Vorbereitungsfragen soll der Entwickler für E-Learnings bzw. Vermarkter dir unbedingt stellen. Wie sonst will er verlässlich beurteilen, ob sein Angebot zu deiner Ausgangssituation passt?  Zudem sind diese Aspekte auch immer Bestandteil eines Lastenhefts, dazu jedoch später mehr.

 

 

Planungsphase 3 – Umsetzung

 

Wie geht es weiter?

Es kommt darauf an, ob dein Unternehmen plant, digitale Weiterbildung selber aufzusetzen und zu gestalten oder lieber Lernlösungen kaufen will.

In jedem Fall empfehle ich ein Lastenheft zu erstellen, um die genaue Ist- und Sollsituation möglichst klar zu beschreiben und gleichzeitig die Aufwendungen zu quantifizieren. Entweder dein Unternehmen entwickelt selber eine Lösung. Dann solltest du mit deinen Kollegen gemeinsam das Lastenheft als Entscheidungsgrundlage für Stakeholder zusammenstellen.

Oder ihr plant nun doch zu kaufen. Dann ist es die Verpflichtung des Anbieters, auf Basis der aufgenommenen Rahmendbedingungen und Anforderungen das Lastenheft zu erstellen und ein Angebot zu unterbreiten. Es dient dann als Basis für die Leistungserbringung.

 

Sonstige Punkte, die beachtet werden sollten:

  • Klärung der Rolle der Personalentwicklung im E-Learning versus Schnittstellen zu anderen Abteilungen.
  • Unabhängig davon spielen die Qualitätssicherungsaspekte (Feedback der Teilnehmer) sowie die formalen und rechtlichen Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle.
  • Wenn die wesentlichen Bedingungen klar sind, sollte in jedem Fall zunächst mit einer Pilotphase gestartet werden. Mithilfe dieser Erfahrungen lassen sich vor allem die Administrationsanforderungen und das Roll-Out realer nachvollziehen und helfen gleichzeitig, die Prozesse im Workflow noch zu optimieren.

 

 


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